Schwabinger Torspatzen


Viertes Kinderhaus (in Schwabing) kann nicht starten

Liebe Eltern,

seit zweieinhalb Jahren arbeiten wir an der Entstehung unseres vierten Kinderhauses, den „Schwabinger Torspatzen“. Herausforderungen bei der Finanzierung, den Baukosten und im letzten Jahr auch durch Corona hatten immer wieder Verzögerungen verursacht.

Zuletzt war meine Hoffnung, den Bau bald beginnen und das Haus in der ersten Jahreshälfte 2022 eröffnen zu können. Die gerade erfolgte Zusage für die Bankfinanzierung bringt uns nun an diesen bestimmten Punkt, wo man wie im Flugzeug auf der Startbahn entscheiden muss: Beschleunigen wir weiter und heben ab? Oder müssen wir mit aller Kraft bremsen, um gerade noch am Rollbahnende zum Stehen zu kommen?

Der Titel dieses Briefes nimmt die Antwort vorweg: Leider müssen wir den Start abbrechen, die Schwabinger Torspatzen werden nicht abheben. Die Gründe dafür sind die folgenden:

Zum einen entwickelt sich der Münchner „Kita-Markt“ momentan sehr stark: Es gibt immer mehr Plätze und in der Breite deutlich niedrigere Betreuungspreise als noch vor zwei Jahren. Ein Meilenstein war im September 2019 die Reduzierung der Betreuungspreise in allen städtischen Kitas sowie in privaten Kitas, die von der Stadt über die sogenannte „Münchner Förderformel“ gefördert werden. Seither müssen Münchner Familien auf 85% aller Kita-Plätze in München nur noch maximal 145 € für die Betreuung in der Krippe und gar nichts mehr für die Betreuung im Kindergarten zahlen.

Das ist gut für Familien – natürlich! Aber die „strategische Nische“ für kibiku wird dadurch enger: In den drei bestehenden kibiku-Kinderhäusern tun wir uns immer schwerer, freiwerdende Plätze zu unseren inzwischen vergleichsweise hohen Preisen zu vergeben. Mit diesen Häusern sind wir deshalb seit kurzem auch auf dem Weg, bis Januar 2022 in die Münchner Förderformel einzusteigen und dadurch die Beiträge für Eltern bezahlbar zu halten. Dank der auch weiterhin gewährten Förderung unserer Partnerfirmen ändert sich dabei nichts an der gewohnten kibiku-Qualität in Bezug auf Anstellungsschlüssel, Zweisprachigkeit und Öffnungszeiten, und das macht uns für diese drei Häuser glücklich und dankbar.

Bei den Schwabinger Torspatzen hätten wir aber nicht die eine, große Partnerfirma, die uns die Miet- und Mietnebenkosten abnimmt, so dass wir dieses Geld in höhere Qualität – also ein größeres Team – investieren könnten. Um dieselbe Qualität wie in den anderen Kinderhäusern bieten zu können, müssten wir bei den Schwabinger Torspatzen monatliche Preise von rund 1500 € in der Krippe und 1000 € im Kindergarten verlangen.

Aber sind solche Preisniveaus in München heute überhaupt noch gut möglich? Und bliebe das auch so für die nächsten 25 Jahre (so lange müssten wir uns gegenüber Bank, Stadt und Vermieter verpflichten)?

Und selbst wenn wir das Haus zu diesen Preisen voll bekämen: Wollen wir das überhaupt? Passen solche Preise noch zur kibiku-Vision, herausragende Frühpädagogik zu bieten und dabei als Kita für viele, viele Familien zugänglich zu bleiben?

Hinzu kommt, dass kürzlich mehrere Kitas in der Nähe des Schwabinger Tors eröffnet haben oder bald eröffnen werden. Und zu guter Letzt sind auch die Baupreise momentan stetig am Steigen.

Die schmerzlichen, aber ehrlichen Antworten sind deshalb: Ich glaube, dass dieses veränderte Umfeld und die von uns benötigten sehr hohen Betreuungspreise ein enormes wirtschaftliches Risiko mit sich bringen. Und ich glaube, dass derart höhere Preise – selbst, wenn sie dauerhaft realisierbar sind – nicht mehr zur Vision von kibiku passen.

Deshalb muss ich den Start abbrechen.

Diese Entscheidung fällt mir sehr schwer, denn natürlich wurde schon viel Zeit und Geld investiert. Vor allem aber haben viele Menschen ihr Können, ihre Leidenschaft und ihr Vertrauen investiert, um die Schwabinger Torspatzen zum Fliegen zu bringen. Auch haben sich zahlreiche Familien schon für einen Platz auf der Warteliste angemeldet. Ihnen Allen möchte ich „Danke“ sagen für Ihr Vertrauen, und von Herzen: „Es tut mir leid.“

Aber um im Bild mit dem Flugzeug zu bleiben: Es ist besser, nach einer Vollbremsung ein paar kaputte Reifen ersetzen zu müssen, als mit einem Start nach dem Motto „Augen-zu-und-durch“ die Passagiere und die Crew in Gefahr zu bringen.

Und dann schaue ich gerne auf die Kakao-Tasse meiner Tochter, die mich daran erinnert: „Hinfallen … aufstehen … Krone richten … weitergehen.“

Alles Gute für Sie und herzliche Grüße,

Ihr Andreas Kurzlechner

wörtprässdisain